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Grußwort des Bischofs


"Orientierung und Heimat in der Kirche"

"Unsere Heimat aber ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter." (Phil 3,20) Dies schreibt der hl. Apostel Paulus der Gemeinde von Philippi - er, der selbst an vielen Orten beheimatet war, aber nur geistige Heimat kannte.

Der Begriff "Heimat" kommt in der Heiligen Schrift insgesamt 38mal vor. Stets ist "Heimat" damit verbunden, dass Gott sie schenkt, dass Gott den Menschen seine fürsorgende Liebe erfahren lässt durch Heimat. Aus der Heimat vertrieben zu werden und heimatlos zu sein, war schon für den biblischen Menschen und ist auch für uns heute eine der leidvollsten Erfahrungen.

Die räumliche Heimat ist das Eine, das Andere aber ist die geistliche Heimat. Auch wenn beide nicht unmittelbar miteinander zu tun haben - der hl. Apostel Paulus und mit ihm alle Frauen und Männer, die in der missionarischen Arbeit tätig waren und sind, leben es uns vor - , so ist doch der Verlust der geistlichen Heimat ebenso gravierend. Ja, mitunter hilft die geistliche Beheimatung, sogar den Verlust der räumlichen zu ertragen.

Wir dürfen seit über sechzig Jahren friedvoll leben - ohne Krieg, ohne den Verlust von Heimat. Dennoch ist unsere Zeit in vielfältiger Weise geprägt von Orientierungslosigkeit und geistlicher Heimatlosigkeit: Auf wen dürfen wir vertrauen? Wem kann man überhaupt noch Glauben schenken? Nach wem soll man sich richten, wo uns doch ein großes Spektrum an Meinungen und Idelogien angeboten wird?

Die Kirche gibt den Menschen seit fast 2000 Jahren geistliche Heimat und Orientierung: Ihr Auftrag ist es, den Menschen Christus als den gekreuzigten Herrn zu verkündigen (1 Kor 1,23) und sie in die Gemeinschaft mit ihm zu führen (Kol 1,28). Denn Christus ist der Orientierungspunkt schlechthin: Er ist das "Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende" (Offb 21,6).
Am Pfingstfest nach der Auferstehung Jesu Christi, der Geburtsstunde der Kirche, nahm dieser Auftrag seinen Anfang. Maria, die Mutter des Herrn, war mit den Jüngern im Gebet vereint und bestärkt durch die Gabe des Heiligen Geistes fassten sie den Mut, das Evangelium Christi zu verkündigen.

Schauen wir im Jahr 2010 in besonderer Weise zu Unserer Lieben Frau von Altötting! Vereinigen wir uns mit ihr im Gebet, damit uns wieder neu die Kraft des Heiligen Geistes geschenkt werde, das Evangelium Jesu Christi glaubwürdig zu leben. In diesem Sinne wünsche ich ein gesegnetes Jahr 2010!

 

Wilhelm Schraml
Bischof von Passau