Wallfahrtsleitwort 2012: "Stelle mein Haus wieder her"
Bonaventura beschreibt den Vorgang des Betens des ca. 24jährigen Franziskus vor dem Kreuz in der halb zerfallenen Kirche San Damiano in sieben nachvollziehbaren Schritten, die uns durch die Sieben-Tage-Woche führen. Beten wir zuerst mit dem suchenden und bittenden Franz, der die Düsternis aus seiner bedrängten Seele verscheucht wünscht: „Höchster, herrlicher Gott, erleuchte die Finsternis meines Herzens, damit ich erfülle deinen heiligen und wahren Auftrag.“
„Um zu beten warf sich Franziskus einmal in S. Damiano vor dem Bild des Gekreuzigten nieder und wurde während des Betens mit überreichem geistlichen Trost erfüllt. Als er dann zum Kreuz des Herrn aufschaute, hörte er mit seinen leiblichen Ohren, wie vom Kreuz dreimal eine Stimme die folgenden Worte zu ihm sprach: „Franziskus, gehe hin und stelle mein Haus wieder her das ganz zerfällt, wie du siehst.“ Erschrocken, weil er ja ganz allein in der Kirche war, staunte Franziskus über die wunderbare Stimme und er wurde im Geist entrückt, weil sein Herz die Kraft des göttlichen Wortes gespürt hatte. Nachdem er wieder zu sich gekommen war, gehorchte er dem Wort des Herrn. Er begann, das steinerne Kirchlein wiederherzustellen, obwohl sich der Sinn des göttlichen Befehls auf jene Kirche bezog, die Christus mit seinem Blute erworben hatte.“
Der Cruzifixus ist der erste sprechende Gekreuzigte der christlichen Religionsgeschichte. Benehmen wir uns wie Franziskus: vor dem Kreuz sich (in Gedanken) niederwerfen (Kniebeuge) – einfach beten – auf den gekreuzigten Herrn schauen – hörbereit werden und staunen – im Herz die göttliche Kraft verspüren – zu sich kommen – aktiv werden.
- Sonntag: Gottes Barmherzigkeit anrufen
„Gott ist in allem, nur in meinem Herzen ist kein Gott!“, so sinniert Franz während seines Genesungsprozesses nach langer Fieberzeit. „Gib mir Herr, das Empfinden und Erkennen, damit ich diesen Auftrag erfülle, den Du mir in Wahrheit gegeben.“ (Gebet vor dem Kreuz) Ins Heute spricht Franziskus: „Seid Männer und Frauen, die ihr Leben täglich im Mysterium Gottes verankern und die Güte, Barmherzigkeit und Freundlichkeit Gottes deshalb großzügig verschenken können, weil sie sie an sich selber erfahren haben.“ (Schallück)
- Montag: Der Herr zeigt das Tun
Franziskus baut im Auftrag des Herrn. Der Gekreuzigte hält die Missstände seiner geliebten Kirche aus; er trägt sie, er vergibt ihr. Wir dürfen den Tonfall seiner barmherzigen, auferstandenen Stimme vertrauensvoll hören. Christus bleibt in seiner Kirche: „Jesus, der in seiner Kirche lebt und wirkt.“ (trostreicher Rosenkranz)
- Dienstag: Was der Geist sagt
Beten wir, dass uns der gekreuzigte Herr seine uns zugedachte Lebensberufung erspürbar ins Herz legt. Bitten wir den Heiligen Geist den Platz und die Stelle erkennen zu dürfen, die der Gekreuzigte uns unaustauschbar zugedacht hat.
- Mittwoch: Die Kirche betreten
Der franziskanische Kircheneintritt in S. Damiano hat lebenslange und unvergessliche Folgen. „Christus hat Franziskus angeschaut vom Kreuz, er ließ sich formen, war für Gott ganz und gar bereit.“ (Heinzl) Franz schafft sich keine egoistische Lebensidylle, sondern ist von Jesus angetrieben, der das Haupt der Kirche ist. Sie bedarf immer wieder der Reinigung. Ich betrete ganz bewusst eine Kirche und lasse sie auf mich wirken und beginne zu beten.
- Donnerstag: Innig vor dem Gekreuzigten beten
„Der beste Weg … ist für euch, meine Schwestern und Brüder (so legt Schallück dem Bruder Franziskus in den Mund), die Hinkehr zum gekreuzigten und auferstandenen Herrn, der auch mich einst berufen hat; die Freude am Gott des Lebens und der Hoffnung; das Vertrauen auf den Geist und sein heiliges Wirken.“ Ich lasse mich in aller Ruhe vom Kreuz anschauen. Ich werde mich sicherlich angesprochen fühlen und antworte mit einem Gebet darauf.
- Freitag: Das liebevolle Sprechen Gottes vernehmen
Die offenen Augen Jesu am Kreuz in S. Damiano nehmen Franz in gute Beziehung: „Ein unbeschreiblicher Strom von Liebe ergoss sich aus dem Herz Christi, strömte zurück und ergoss sich von neuem in sein Herz.“ (Green) Rechne ich wirklich damit, dass Gott mich durch Begegnungen im alltäglichen Leben, beim Gebet, bei der Hl. Messe, in der Anbetung anreden will? Wann, wo, durch wen, wie hat Gott mich schon angesprochen und was hindert mich zu einer klareren Antwort zur Nachfolge?
- Samstag: Den Willen des Herrn gern tun
„Dass Franz diese Aufforderung am Anfang nur auf die Renovierung der abbruchreifen Kapelle und erst später auf die Kirche insgesamt bezog, deutet auf einen längeren Prozess der Konversion hin: der Heilige ist nicht einfach fertig da. Erst allmählich verstand Franz die Vision als Aufruf zur Wiederherstellung der Kirche…“ (Gemeinhardt) Er musste über einen längeren Zeitraum hinweg den wahren Auftrag verinnerlichen. „Baue meine Kirche wieder auf! Stelle mein Haus wieder her! So spricht der Herr vom Kreuz herab! Baue mit Liebe auf!“ (Heinzl)