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augenblicke der besinnung

Die meisten Menschen wissen gar nicht,
wie schön die Welt ist
und wie viel...

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Abschluss Internationales Forum


Glauben Sie, dass Engel Lotto spielen? Nun, auch diese himmlischen Wesen
brauchen einen Zeitvertreib und so setzen sie geduldig Äon für Äon auf ihre
Lieblingszahlen und warten auf den großen Gewinn. Tatsächlich! Eines Tages
knacken die Boten Gottes den Jackpot und sind stolze Besitzer eines Vermögens
himmlischer Euro.

Was aber machen die Engel mit einem solchen Besitz? Sie sind doch restlos glücklich und
brauchen nichts mehr zu ihrer Freude! Nach eingehender Überlegung beschließen sie, die
himmlischen Euro zu verwenden, um dem Teufel die Versuchungen abzukaufen, die er
den Menschen schickt. Der Deal funktioniert – der Teufel ist gierig nach dem Vermögen,
und Sack für Sack wechseln die Euro den Besitzer und Versuchung um Versuchung
nimmt ihren Weg zu den Engeln. Die natürlich keinen Gebrauch davon machen! Am Ende
ist noch genau ein Sack himmlischer Euro übrig und der Teufel hat noch genau eine
Versuchung in seinem Besitz. Unter keinen Umständen und um keinen Betrag des
Himmels und der Hölle ist er bereit, diese Versuchung herauszurücken. Die Engel müssen
aufgeben, fragen aber „Sag uns wenigstens, was diese eine letzte Versuchung ist, die dir
so viel wert ist!“ Und der Teufel antwortet: „Diese Versuchung ist die Mutlosigkeit. Sind
die Menschen erst einmal mutlos, habe ich sie alle wieder in der Hand.“
Diese Geschichte war Teil der Predigt von Weihbischof Heiner Koch aus Köln am Sonntag
auf dem Kapellplatz in Altötting. An die 2000 Menschen hatten sich bei immer noch
strahlendem Wetter versammelt, um gemeinsam die Hl. Messe und damit den Abschluss
des 14. Internationalen Forums zu feiern. Bischof Koch nützte diese Stunde vor allem
dafür, die Erwachsenen, Kinder, Teenies und Jugendlichen zu ermutigen, ihr ganzes
Vertrauen auf Gott zu setzen und sich von nichts und niemandem entmutigen zu lassen,
den Glauben zu leben, zu zeigen und mit anderen zu teilen. Gott hat einen Plan mit
jedem einzelnen, Gott hat eine Zukunft und eine Hoffnung – darauf dürfen wir bauen und
dieser Glaube wird uns durch jede schwierige Situation durchtragen.
In dem Moment aber, wo wir den Mut verlieren, ist es vorbei. Deshalb ist es so
notwendig, dass wir uns gegenseitig stützen, einander ermutigen und immer wieder das
Wirken Gottes in unserem Leben erzählen.
Nicht alleine bleiben auf einem - vielleicht gerade beginnenden - Weg mit Gott, das ist
Bischof Kochs Aufruf an die versammelten Forumsteilnehmer. Mancher hat das erste Mal
eine besondere Erfahrung im Glauben gemacht, mancher ist gestärkt worden in dem,
was er schon lange lebt. Mancher weiß vielleicht noch nicht recht, was er mit dem, was
er diese Tage erlebt hat, anfangen soll. Das Wichtigste ist es, weiterzugehen,
Gemeinschaft zu suchen, nicht alleine zu bleiben auf diesem Weg im Glauben. Es müssen
nicht gleich 2000 sein, so wie sie hier auf dem Platz zusammengekommen sind. Eine
Erinnerung an den Urlaub, den Bischof Koch gerade erst in Mecklenburg-Vorpommern
genossen hat, verdeutlicht dies: Mehr als 75% der Bevölkerung dieses Bundeslandes sind
ungetauft, konfessionslos. Eine kleine Kirche, 15 Menschen im Sonntagsgottesdienst,
vorwiegend älterer Generation, zwei Jugendliche. Nach der Messe spricht der Bischof mit
den beiden und meint, das müsse schon schwer sein, hier als Jugendlicher den Glauben
zu leben, wenn man so alleine ist. Die beiden schauen ihn erstaunt an und antworten:
„Aber wieso? Wir sind doch zwei!“
Was für ein Beispiel an Hoffnung und Mut! Einer Hoffnung, die gegründet ist im festen
Vertrauen auf Gott, der letztlich alles in der Hand hat und alles gut machen kann.
Bischof Koch schließt seine Predigt mit einem weiteren persönlichen Erlebnis ab. Gerne
macht er vor dem Schlafengehen noch eine Runde durch seinen Stadtteil. Neben dem
Dom wohnend geht er zum Bahnhof, kauft sich die Zeitung vom nächsten Tag, um nach
einem kleinen Spaziergang zum Dom zurück zu kehren. Eines Tages kommt ihm im
Bahnhof eine alte obdachlose Frau entgegen, in jeder Hand zehn Einkaufstüten. Sie
spricht ihn an, ob er wohl kurz die Tüten halten könne, sie müsse zur Toilette. Im
Weggehen dreht sie sich noch einmal um und sagt: „Aber laufen Sie nicht weg, das ist
alles, was ich habe!“
Der Bischof nimmt also die Tüten und wartet. Schmunzelnd erzählt er, wie viele
Menschen, die ihn normalerweise am Bahnhof nicht kennen, ihn plötzlich ansprechen.
„Grüß Gott, Herr Bischof, waren Sie noch beim Shopping?“
Doch mehr als das beschäftigt ihn die ganze Zeit der letzte Satz der Frau. Als sie
wiederkommt, fragt er sie, ob ihr denn schon oft etwas gestohlen worden wäre. Die Frau
macht nur eine wegwerfende Handbewegung und meint dann eindrücklich: „Aber wissen
Sie, den lieben Gott, den raubt mir keiner!“
Mit dieser humor- und kraftvollen Predigt der Ermutigung sendet Bischof Koch gleichsam
die Forumsteilnehmer nach Hause in ihren Alltag. Der rote Faden des Forums „Denn ich
will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben“ gilt nicht nur für diese vergangene
Woche, sondern ganz besonders für die jeweilige Situation des täglichen Lebens, in die
jede und jeder hineingestellt ist. Gerade im Alltag will diese Zusage Gottes das rote Seil
sein, an dem wir uns festhalten können und das uns immer wieder Mut macht. Und
gleichgültig, wie unser Weg sich entwickelt, „den lieben Gott, den raubt uns keiner!“.

Foto/Text: Gemeinschaft Emmanuel