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500 Jahre Goldenes Rössl


500 Jahre „Goldenes Rössl“ in Altötting
„L’imaige de Nostre Dame“ - „Das Bild Unserer Lieben Frau“

Heute ist es das bedeutendste und wertvollste Exponat im „Haus Papst Benedikt XVI. – Neue Schatzkammer und Wallfahrtsmuseum“. Vor 500 Jahren wurde das „Goldene Rössl“ nach Altötting gebracht. Der 2. August gilt gemeinhin als jener Tag, an dem die Wallfahrt das Kunstwerk erhalten hat.Teilnehmer der Abschlussbesprechung

Dass am Sonntag, 2. August, dann auch der Platz für das „Rössl“ in der neuen Schatzkammer perfekt bereitet ist, haben am Donnerstag, 30. Juli, die Bau- und Kunstexperten festgestellt. Der Bischöfliche Administrator Prälat Ludwig Limbrunner und der Geschäftsführer Wolfgang Hesl trafen sich zur formellen Schlussbesprechung mit den Architekten Brückner, dem Diözesanbaumeister Jochen Jarzombek, den Museumsgestaltern Dr. Winfried Helm und Dionys Asenkerschbaumer. Nach den Erfahrungen der ersten Wochen wurde die Lichtführung und Belüftung feinjustiert, die Beschilderung komplettiert, sodass zum großen Wallfahrtstag am Samstag, 15. August, wirklich alle Arbeiten beendet sind. Zum Gottesdienst am Festtag Mariä Himmelfahrt wird auch Ministerpräsident Horst Seehofer in Altötting erwartet.

Die im Volksmund als „Rössl“ bezeichnete Pretiose, hat aber nur indirekt mit einem Pferd zu tun. In Frankreich hieß es einst „L’imaige de Nostre Dame“ – „Das Bild Unserer Lieben Frau“. Es handelt sich bei dem weltweit einzigartigen Meisterwerk französischer Goldschmiedekunst nämlich um ein Marienaltärchen. Das Rössl ist bei weitem nur eine Randfigur. Experten zählen das Marienaltärchen aus Gold und Email zu den kostbarsten Kunstschätzen Europas, weltweit gar als das kostbarste Exemplar der Goldschmiede- und Emailkunst, mit einem Versicherungswert im Millionenbereich. Deswegen musste die Diözese höchsten Sicherheitsstandard sowie ein Maximum an konservatorischem Standard mit entsprechend aufwendiger Technik im neuen Museum gewährleisten.

Marienaltar - Das Bild Unserer Lieben FrauDas Marienaltärchen ist 62 cm hoch, mit einem Aufbau aus Gold und vergoldetem Silber und goldenen Figuren, die mit weißem und verschiedenfarbigem Email überzogen sind. Oben thront, in einer goldenen, mit Perlen und Edelsteinen verzierten Laube, die Muttergottes mit dem Christuskind. Darüber schweben Engel mit der Krone. Zu ihren Füßen knien, als Kinder dargestellt, Johannes der Täufer, Johannes der Evangelist und die hl. Katharina, davor betend der französische König Karl VI. und sein Marschall. Die ganze Szenerie wird getragen von einer Säulenhalle mit Gewölbe, unter dem ein Diener das gesattelte Leibroß des Königs am Zügel hält. Dieses Roß hat dem ganzen Kunstwerk seinen bayerischen Namen „Goldenes Rössl“ gegeben.

Die bayerische Prinzessin Elisabeth, in Frankreich Isabeau de Baviere genannt, hat das „L’imaige de Nostre Dame“ – „Das Bild Unserer Lieben Frau“ als Neujahrsgeschenk im Jahr 1404 für ihren Gemahl, den französischen König Karl VI. in Auftrag gegeben.

Auf verschiedenen Wegen ist diese Gold-Emaillearbeit 1509 zusammen mit zehn weiteren Kunstwerken in den Kapellschatz nach Altötting gelangt: als 1503 der Landshuter Erbfolgekrieg ausbrach beschlagnahmte der Herzog, um die Kriegskosten zu tilgen, den Altöttinger Kapellschatz. Er konnte die entsprechende Summe nicht erstatten. Deshalb erhielt die Heilige Kapelle im Jahre 1509 als Pfand für die beschlagnahmten Schätze aus der herzoglichen Schatzkammer diese Gold-Emailarbeiten aus dem französischen Kronschatz. Es waren neben dem Marienaltärchen noch zehn ähnliche Stücke. In der Säkularisation wurde nahezu der gesamte Schatzbestand der Kapelle vom Staat beschlagnahmt und nach München zum Einschmelzen gebracht. 1820 kam das „Goldene Rössl“ zurück.

1992-1995 wurde das kostbare Stück in den Werkstätten des Bayerischen Nationalmuseums in München unter fachlicher Beratung und Mitarbeit von Kunsthistorikern des Pariser Louvre, des Britischen Museums in London sowie aus Deutschland und Österreich aufwendig restauriert, kehrte nach einer Ausstellung in München im April 1995 wieder nach Altötting zurück und wurde nur noch einmal - im Jahr 2004 - im Louvre in Paris - ausgestellt.

Seit Mai 2009 ist die Pretiose im „Haus Papst Benedikt XVI. – Neue Schatzkammer und Wallfahrtsmuseum“ zu sehen. Der Passauer Diözesanbischof Wilhelm Schraml will in der Einrichtung. auf insgesamt knapp 1.000 Quadratmetern Kunstwerke und Kunstgegenstände „im Dienst des Glaubens präsentieren“. Das Museum will „Verkündigung des Glaubens in moderner Zeit“ sein. Der Bischof sieht darin eine wesentliche Bereicherung und einen kräftigen Impuls für den Wallfahrtsort sowie einen neuen Akzent in der bayerischen Museenlandschaft.

In der „Neuen Schatzkammer“ spannt sich der Bogen von grundlegenden Informationen zum Thema Wallfahren über die Geschichte der Altöttinger Wallfahrt bis hin zu deren wertvollen Zeugnissen in der Kunst. Im „Haus Papst Benedikt XVI. – Neue Schatzkammer und Wallfahrtsmuseum“ werden neben dem weltbekannten „Goldenen Rössl“ weitere Pretiosen aus vielen Jahrhunderten zugänglich gemacht. Zum Bestand zählen neben liturgischen Gewändern und Geräten unter anderem rund 2.000 Rosenkränze, 1.200 Schmuckstücke, 1.600 Münzen und Wallfahrtsabzeichen, wie eine Inventarisierung ergab. (iop)